A DRAGstory im Münchner Künstlerhaus

Pinay Colada und Olga Flixpuss . A DRAGstory , Dragshow im Münchner Künstlerhaus, Foto: Anne Coersmeyer
A DRAGstory Foto: Anne Coersmeyer

Unter Leitung der beiden Drag-Queens Pinay Colada und Olga Flixpuss konnte das Publikum im Münchner Künstlerhaus eine schrille Nummernshow mit zwölfköpfiger Besetzung, männlich, weiblich und – wie Jan Böhmermann sagen würde – dazwischen und außerhalb erleben.

„A DRAGstory“ erzählt die Geschichte, bzw. den Umgang der Gesellschaft mit Homosexualität und Formen queerer Identität seit den 1920 Jahren. Dabei wird deutlich, dass Drag-Performancekunst sich gesellschaftspolitisch positioniert. Sie stellt Geschlechterrollen in Frage und setzt sich für eine Gesellschaft ein, die das breite LSBTIQ-Spektrum nicht nur akzeptiert, sondern als Bereicherung begreift.

Schrill, laut, politisch, sympathisch

In der Aufführung wurde der historische Rückblick in kurzen Videosequenzen in die glamouröse Bühnenshow eingefügt. Es waren sehr unterschiedliche Protagonisten zu erleben: Jeder zeigte, was er am besten kann. Die Drag-Queens und -Kings tanzten, sangen – teils Playback, teils Live – und das in phantastischen, kreativ gestalteten Outfits. Wer eine perfekte Show erwartet hatte, wurde allerdings enttäuscht. Es gab reichlich Patzer und Missgeschicke. So rutschte z. B. der wunderbaren Miss Lulu im Eifer des Gefechts die Perücke vom Kopf und Envy LaRue stolpert über die eigene Schleppe. Manch sorgfältig genähtes Gewand nahm im Lauf der Show erheblichen Schaden. Doch dieser Mangel an Perfektion wirkte durchaus sympathisch im Sinne von „Nobody is perfect“ .

Wer Lust bekommen hat, die bunte Truppe zu erleben, muss sich noch etwas gedulden. Der nächste Termin findet im Sommer 2027 statt. Doch solange sollten Sie nicht mit Ihrem Besuch des Künstlerhauses warten, denn dieser Ort ist eine Besonderheit in der Landeshauptstadt.

  • Restaurant im Münchner Künstlerhaus
    Lange war hier in großen Lettern "Mövenpick" zu lesen. 

Mövenpick im Künstlerhaus

Um dies zu verstehen, ist es sinnvoll die Geschichte des Hauses, das letztes Jahr seinen 125. Geburtstag feierte, näher zu betrachten: Initiiert durch den Münchner Künstlerhaus-Verein und im Stil der Neorenaissance von Gabriel von Seidl errichtet, wurde das Haus im März 1900 feierlich eröffnet. Schnell entwickelte sich das Haus zum gesellschaftlichen Mittelpunkt der Münchner Künstlerszene. Unter dem Naziregime wurde das Künstlerhaus enteignet und im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört. Nach dem Krieg gründete sich der Künstlerhaus-Verein neu, doch es fehlte lange das Geld für den Wiederaufbau. Diverse Spendenaktionen und private Initiative ermöglichten 1961 die Wiederöffnung. Doch bald geriet das Haus in finanzielle Schieflage. Es folgte eine Notlösung: Gegen eine hohe Vorauszahlung verpachtete der Verein das Haus für 30 Jahre an den Bayerischen Hof, der später das Restaurant an die Mövenpick-Kette weiterverpachtete. Für viele Münchner war das Haus am Lenbachplatz in dieser Zeit schlichtweg das „Mövenpick“.

Kulturelle Wiederbelebung durch die Künstlerhaus-Stiftung

1997 endeten der Pachtvertrag und der kulturelle Stillstand. 2001 wurde die Münchner Künstlerhaus-Stiftung mit dem Stiftungszweck gegründet, das denkmalgeschützte Gebäude dauerhaft zu erhalten sowie Kunst und Kultur zu fördern. Heute umfasst das breit gefächerte Programm Konzerte, Ausstellungen, Tanz-, Literatur-, Kabarett- und Theaterabende. Auch ein Kinderprogramm „little Art“ und Workshops in der eigenen Lithografiewerkstatt gehören zum Angebot. Bei der Programmgestaltung legt die Stiftung besonderen Wert auf Nachwuchsförderung, auf europäische Begegnungen, Austausch zwischen Künstlern und Publikum, innovative Veranstaltungsformen und die Thematisierung aktueller gesellschaftspolitische Fragestellungen. Dabei versteht sich das Künstlerhaus als offener Raum für Freigeist und Kreativität.

Förderer, Sponsoren und Spender gesucht!

Sowohl der bauliche Erhalt des Hauses, als auch das Kulturprogramm finanzieren sich aus Spenden, Sponsorengeldern sowie Einnahmen aus der Vermietung von Gastronomie- und Veranstaltungsräumen. Wer das Münchner Künstlerhaus unterstützen möchte, kann die Räume für private Events anmieten, Mitglieder des Vereins werden oder eine der vielen Veranstaltungen besuchen.

Das Veranstaltungsprogramm des Künstlerhauses.