Sommerliches Operettenvergnügen in der Pasinger Fabrik und im Innenhof von Schloss Blutenburg

Die Csárdásfürstin in einer Bearbeitung von München kleinstem Opernhaus. Foto: Annette Hempfling
Münchens kleinstes Opernhaus zeigt „Die Csárdásfürstin“ Foto: Annette Hempfling

Es ist wieder soweit: Münchens kleinstes Opernhaus stellt sein Neuproduktion 2026 vor. Seit fast drei Jahrzenten verwandelt sich die Wagenhalle der Pasinger Fabrik in den Sommermonaten in eine Opernbühne. Dieses Jahr steht Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ auf dem Programm. Der Zuschauerraum des angenehm klimatisierten Spielorts versetzt die Besucher in ein nostalgisch gestaltetes Varietétheater. Die Zuschauer sitzen an kleinen Tischen mit Tischlämpchen. Während der Vorführung können Getränke und in der Pause auch Speisen konsumiert werden. Ein passendes Entree für einen sommerlich entspannten Operettenabend!

Ungarisch-österreichische Liebesgeschichte mit Hindernissen

Ich erspare mir und den Lesern eine detaillierte Inhaltsangabe und mache es kurz: Die Csárdásfürstin ist eine romantische Liebesgeschichte zwischen Zuversicht und Enttäuschung, Loyalität und Verrat, Hoffnung und Resignation. Die Handlung spielt in Österreich-Ungarn zu Beginn des Ersten Weltkriegs und vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Zusammenbruchs der k. u. k. Monarchie und dem Ende der alten ständischen Gesellschaftsordnung.

Sylva Varescu (alias „Die Csárdásfürstin“), gefeierter Star am Budapester Theaters und der Wiener Fürstensohn Edwin verlieben sich in einander. Doch Edwins Eltern sind gegen diese unstandesgemäße Verbindung. Es gelingt ihnen, Edwin zurück nach Wien zu locken und eine Verlobung mit dessen Cousine Comtesse Anastasia zu arrangieren. Doch am Ende – sprich im 3. Akt – siegt die Liebe und gleich drei Paare fallen sich glückselig in die Arme.

Dirigent Andreas P. Heinzmann und Jörg-Oliver Werner haben die opulente Operette für Kammerorchester und kleine Besetzung neu arrangiert. Nur sechs Musiker:innen und sechs Sänger:innen bestritten mit viel Spielfreude den Abend. Es wurde mit vollem Einsatz musiziert, gesungen, getanzt und agiert.

Inszenierung mit Witz und Tiefe

Die Spielleitung liegt in den Händen von Franziska Reng. Es ist ihre zweite Regiearbeit für Münchens kleinstes Opernhaus. Mit großem Erfolg und einem bemerkenswerten Talent für Witz und Timing inszenierte sie bereits 2021/2022 die Operette „Frau Luna“ von Paul Lincke. Eine ausführliche Besprechung der Aufführung finden Sie auf unserer Webseite Operaticket.

Beschwingt und pointenreich geht es auch in der Csárdásfürstin zu. Franziska Reng kürzte das Libretto auf ein Minimum und bereicherte es mit Wortwitz. In der Aufführung, die wir besuchten, wurde häufig lauthals und ansteckend gelacht. Talent für Komik beweisen in besonderem Maße Martin Schülke und Stephan Karelin. Schülke, in der Doppelrolle als Edwins Freund Feric Bàci und als Fürst Leopold, zeigt gelungene Slapstick-Einlagen und interagiert mit dem Dirigenten (Spielen Sie den Hochzeitsmarsch von Mendel & Sohn!). Stephan Karelin als Graf Boni macht aus seinem Akzent ein Spaßnummer und erinnert in Bewegung und Ausdruck ein wenig an die Auftritte des prominenten Let’s -Dance-Juror Jorge González.

Doch neben heiterer Unbeschwertheit war es Franziska Reng wichtig, auch die Melancholie und die Wehmut, die in Kálmáns Musik steckt, durch kleine Brüche herauszuarbeiten. Die Csárdásfürstin, so Franziska Reng, „feiert die Liebe und das Leben – und erinnert zugleich daran, wie flüchtig beides ist.“

Ambitioniertes Bühnenbild

Das multifunktionale Bühnenbild von Leni Wimmer lässt den Zuschauer einen Blick hinter die Kulissen des Theaters und der dünkelhaften Fürstenfamilie werfen. Ein Stufenpodest mit einem großen Bilderrahmen dominiert die Bühne. Dieser Rahmen befindet sich auf einer kleinen Drehscheibe. Je nach Position und Sichtwinkel trennt der Rahmen verschiedene Räumlichkeiten, setzt in Szene oder wird zum Sinnbild der Enge eines gesellschaftlichen Korsetts. Diese Rahmenkonstruktion bietet zwar viele Verwandlungsmöglichkeiten, in Kombination mit dem Stufenpodest verkleinert sie aber auch die Spiel- und Bewegungsfläche.

Verwirrende Fotogalerie im Programmheft

Viele interessante Erläuterung und Zusatzinformation zum Werk, dem Komponisten, Inszenierung und den Protagonisten bietet das klug zusammengestellte Programmheft. Leider hat sich ein gravierender Fehler eingeschlichen. Was ist passiert? Es wurden Fotos von zwei Protagonisten vertauscht bzw. den Bildern falsche Namen zugeordnet. Da ist verwirrend, zumal jede Rolle doppelt besetzt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass einige Fotos des Programmhefts bis zur Unkenntlichkeit veraltet sind. Das hätte nicht passieren dürfen. Wer auf die Bühne tritt, möchte auch gesehen und erkannt werden.

Erstklassige Zweitbesetzung

Bei der von uns besuchten Aufführung haben wir mit zwei Ausnahmen (Martin Schülke und Clara Dieterich) die sehr engagierte Zweitbesetzung gesehen und gehört.
Besonders gut gefielen uns die Stimmen der Sängerinnen, angeführt von Katharina Wittmann in der Titelpartie. Ihre Bühnenpräsenz und ihr kräftiger und zugleich warmer Sopran haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch im berühmten Liebesduett „Machen wir’s den Schwalben nach“ brilliert sie. Ihr Partner, der Tenor Markus Herzog, den wir bereits in den von uns besprochenen Inszenierungen von „Frau Luna“ und „Orpheus“ erleben durften, überzeugt in der Rolle des zögerlichen Edwin.

Stimmgewaltig und mit starker Ausstrahlung erlebten wir Anna Galushenko als Edwins adlige Verlobte, Comtesse Anastasia. Clara Dieterich, als Fürstin Anhilte, erntete am Ende für ihr großartiges Solo zu Recht Szenenapplaus.

„Die Csárdásfürstin“ läuft noch bis 16.8.26 an ausgewählten Terminen in der Pasinger Fabrik und vom 16.7. bis 21.7.26 im Innenhof von Schloss Blutenburg. Jeweils sonntags findet 1 Stunde vor Beginn der Vorstellung eine kostenlose Einführungsveranstaltung statt.